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Gefäßmediziner fordern Gefäß-Screening: Dramatischer Anstieg von Gefäßkomplikationen bei Diabetes mellitus

Die österreichische Gefäßgesellschaften ÖVG (Österreichischer Verband für Gefäßmedizin), ÖGIR (Österreichische Gesellschaft für Interventionelle Radiologie), ÖGG (Österreichische Gesellschaft für Gefäßchirurgie) und ÖGIA (Österreichische Gesellschaft für Internistische Angiologie) fordern im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz ein nationales österreichisches Screening Programm für vaskuläre Erkrankungen

Eine soeben veröffentlichte Kohortenstudie aus Dänemark untersuchte erstmals die Sterblichkeitsrate von jungen Menschen (< 35 Jahre) mit Diabetes mellitus: Sie ist fünf- bis siebenfach so hoch verglichen mit jungen Menschen ohne Diabetes. Zusätzlich vervielfachen sich weltweit die Neuerkrankungen und somit auch die Kosten der Diabetes-Epidemie. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete vergangene Woche von einer Verdreifachung der an Diabetes erkrankten Menschen seit dem Jahr 2000 (gegenwärtig 451 Millionen Erkrankte) und Diabetes-Kosten von derzeit 850 Milliarden Dollar pro Jahr. Früherkennungsprogramme helfen sowohl die Kosten wie auch die Mortalitätsrate zu senken. Das zeigt ein aktuelles dänisches Screening-Programm.

Studie zur Sterblichkeitsrate diabeteserkrankter junger Menschen in Dänemark

Im Rahmen der Scientific Sessions der American Heart Association von 11.-15. November 2017 in Anaheim, Kalifornien präsentierten Forscher eine Studie der Kopenhagener Universitätsklinik. Die Studie schloss alle Personen in Dänemark im Alter von 1-35 in den Jahren 2000-2009 sowie im Alter von 36-49 in den Jahren 2007-09 ein, die gesamt 27,1 Millionen Personenjahren entsprechen. Alle registrierten 14.294 Todesfälle der 10-jährigen Untersuchungsperiode wurden darin mit ihren Todesursachen erfasst. Die Studie zeigte, dass junge Menschen (< 35 Jahre) mit Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2) generell von einer 5-fach so hohen Sterblichkeitsrate sowie einem 7-fach erhöhten Risiko für das Ereignis eines plötzlichen Herztodes betroffen waren verglichen mit jungen Menschen ohne Diabeteserkrankung. Die Ergebnisse verwiesen damit klar auf die Notwendigkeit eines regelmäßigen Risiko-Monitorings für betroffene Patienten.

„Auch für Österreich sind damit drei Handlungsprämissen vorgegeben“, hob Univ. Prof. Dr. Maria Schoder, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für interventionelle Radiologie und minimal invasive Therapie (ÖGIR) hervor: „Erstens, Prävention, zweitens, adaptierte Therapiestrategien und drittens, eine personalisierte Medizin. Sie sind das Gebot der Stunde.“

Auch Univ. Prof. Dr. Thomas Hölzenbein, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gefäßchirurgie unterstreicht diesen Ansatz: „Der Stellenwert der Gefäßchirurgie bei Patienten mit Gefäßerkrankungen und Diabetes mellitus besteht zunächst klar in der Revaskularisation der Patienten zwecks Bein- und Lebenserhalt. Dementsprechend ist der crurale Bypass und nicht die Amputation das Therapieziel.“

Diabetes-Epidemie kostet heute weltweit 850 Milliarden Dollar pro Jahr, 2045 wird mit 693 Millionen Erkrankten gerechnet

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am 14. November 2017, dass laut derzeitigen Expertenschätzungen die Kosten der Diabetes-Epidemie weltweit 850 Milliarden Dollar pro Jahr betragen. Die große Mehrheit der Betroffenen leidet am Diabetes mellitus Typ 2, wobei vor allem ärmere Länder, die zunehmend den Lebensstil des Westen annehmen, von der Epidemie am stärksten betroffen sind.

Die jüngsten Schätzungen der Internationalen Diabetes-Vereinigung sprechen von derzeit 451 Millionen Diabetes-Erkrankten weltweit und rechnen mit 693 Millionen Erkrankten im Jahr 2045, sollte sich der gegenwärtige Trend so fortsetzen.

Nationales österreichisches Screening Programm für vaskuläre Erkrankungen

Die ÖVG, ÖGIR, ÖGG und ÖGIA fordern gemeinsam ein nationales österreichisches Screening Programm für vaskuläre Erkrankungen. „Die Behandlung des Diabetes und der begleitenden Gefäßkomplikationen stellt gegenwärtig eine der größten Herausforderungen für die Medizin dar“, unterstreicht Univ. Prof. Dr. Peter Marschang, Incoming Präsident der ÖGIA, den Handlungsbedarf angesichts der dramatischen Situation.

Die österreichischen Gefäßgesellschaften schlagen ein nationales Vorsorgeprogramm, ähnlich dem bereits bestehenden dänischen Modell, vor. Dieses würde sowohl die Gesamt-Behandlungskosten als auch die Mortalitäts- und Amputationsraten bei den Betroffenen deutlich reduzieren.

Vorgeschlagen wird ein Screening für Prädiabetiker, Diabetiker und Adipöse ab dem 40. Lebensjahr, für alle anderen ab dem 50. Lebensjahr. Minimalansatz wäre eine einmalige Untersuchung, besser wären regelmäßige Intervalle, zum Beispiel alle fünf Jahre.

Zudem weisen die Gesellschaften, wie bereits wiederholt vorgetragen, auf die Wichtigkeit der Einführung eines Amputationsregisters hin.

„Nur gemeinsam können wir Prävention betreiben, Kosten senken und dabei gleichzeitig den erkrankten Menschen helfen, um so ihr Überleben wenngleich nicht zu sichern, so doch zumindest wesentlich zu verbessern“, fasst Univ. Prof. Dr. Gerit Schernthaner, Präsident der ÖGIA, zusammen.

 

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